Soweit nicht anders angegeben, stammen die Artikel aus der RNZ (Rhein-Neckar Zeitung)
Luciano Biondini / Javier Girotto Duo

Norbert Stein Pata Masters

Arthur Blythe / Bob Stewart Duo

Jutta Glaser Band

Bartmes :: Cosmic Grooves

Raummusik für Saxofone

Karl Berger & Friends

Zig Zag Trio

Ein Phantastisches Filmkonzert im DAI

Uli Partheils PLAYTIME

Simon Nabatov - Ernst Rejseger - Michael Vatcher

Matthias Schubert Quartett

Geoff Goodman Quintett feat. Rudi Mahall

Pago Libre

Christopher Dell D.R.A.

Trio in Treptow

Erika Stucky & "Roots of Communication"

Treya Quartett

Laufende Bilder, kreative Klänge
Ein Phantastisches Filmkonzert im DAI
Von Franz Schneider

Der Jazzclub Heidelberg, die Vereinigung für improvisierte Musik feiert sein 30-jähriges Bestehen. Darum lud er ins DAI und präsentierte in Kooperation mit dem Medienforum Heidelberg e. V. ein "Phantastisches Filmkonzert". So heißt das Programm des Schlagzeugers Jogi Nestel und seines Partners Jo Ambros an der Gitarre, deren Leidenschaft das Vertonen von Stummfilmen ist. Zwar werden Stummfilmvorführungen heutzutage oft sehr stimmungsvoll mit dem Klavier begleitet, Schlagzeug und Gitarre sind jedoch für die zwei Künstler durch ihr besonderes Klangspektrum besonders für Filmmusik geeignet.
Jogi Nestel war schon Gast im Karlstorkino. Er konnte sich zunächst als Performance Trommler profilieren, bevor er etwa mit Fred Frith oder dem Tabla-Virtuosen Udai Mazumdar zusammenarbeitete. Sein Schlagzeug hat er durch einen großen Gong und allerlei sonstige Geräte ergänzt, die nur irgendwie einen seltsam schönen Klang erzeugen. Jo Ambros liebt gleichermaßen die akkustische Gitarre wie die elektrische. Er beherrscht Rockmusik ebenso wie Klezmer. Für seinen Jazz wurde vor kurzem durch das Land Baden-Württemberg prämiert. Beiden liegen Kurzfilme eher als Langspielfilme, da sie dabei ihre eigene Vielseitigkeit besser unter Beweis stellen können. Im DAI gaben sie nun vier Kostproben ihres Könnens.
"Die Reise durch das Unmögliche" von Georges Méliès ist eine handkolorierte Kurzkomödie aus dem Jahre 1904. Méliès, live dabei bei der ersten Filmvorführung der Filmgeschichte durch die Brüder Lumière 1896 und von Beginn an für das neue Medium begeistert, ersann als Hommage an Jules Verne eine wackelige Reise mit einer Propeller-Lokomotive rauf auf den Berg, hin zur Sonne, hinab in den Ozean, bei der viel kaputt geht, aber alles gut endet. "Copy Shop" dagegen ist ein vier Jahre alter Experimentalfilm des Österreichers Virgil Widrich. Ein Mann wird in einem Copy Shop so lange vervielfältigt, bis die ganze Welt nur noch aus ihm selbst besteht. Für seine virtuose Arbeit am Tricktisch wurde Widrich für den Oscar nominiert.
Schon bei diesen beiden Filmen zeigte sich das Einfühlungsvermögen der beiden Musiker, die jeweilige Einstellung akkustisch zu akzentuieren, zu kommentieren, manchmal auch zu interpretieren. Beim "andalusischen Hund" des Genie-Duos Dali und Bunuel konnten sich Nestel und Ambros darin noch überbieten. Der Klassiker des Surrealismus hat keine Handlung, dafür wunderbare Schockeffekte. Auch heute noch, 76 Jahre nach der Entstehung, fuhren im DAI die Damen auf, als das Messer der jungen Frau mitten durch das Auge schnitt. Bereits einmal nachträglich vertont, wählte man damals dafür Tango und Richard Wagners "Tristan und Isolde". Nestel und Ambros überlegten, ob sie ihre eigene Musikbegleitung dessen Bombast angleichen oder bewusst kontrastieren sollten. Sie fanden eine ganz andere Lösung, wählten schroffe Akkorde sowie ungewöhnliche Klangeffekte und modernisierten damit behutsam aber sehr überzeugend den Film, so dass sich der Schrecken des Phantastischen am Leben erhält. Zwar wird in den "Mysterien eines Friseursalons" einem Kunden versehentlich der Kopf abgetrennt, aber Karl Valentin und Bertolt Brecht meinen es in ihrer einzigen gemeinsamen Arbeit nicht so ganz ernst. Sie mögen lieber das Sarkastische und lassen mit ihren Ideen den Gaul durchgehen. Doch Nestel und Ambros galoppieren frohgemut hinterher und halten souverän das Tempo. Und so wurde das "Phantastische Filmkonzert" zum Exempel liebevollen Umgangs mit dem Medium Film.