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Monk lernt tanzen
Uli Partheils "Playtime" beim Heidelberger Jazzclub im DAI
Von Rainer Köhl

Thelonious Monk ist so etwas wie ein unruhiger Säulenheiliger für die modernen Pianisten. An dem genialen Querkopf führt kein Weg vorbei: wer immer eine fortschrittliche Ader in sich spürt, bezieht sich auf Monk. Ein Klassiker des Bebop, dessen Kompositionen heute noch explosiv modernes Potential eröffnen. Was in Monks Klavierspiel so verstörend wirkte, sind die schön ungelenk in die Tasten gehauenen dissonanzgespickten Klänge, die krausen Intervallgänge und rhythmischen Unregelmäßigkeiten. Und doch ist all dies Sperrige tief im Blues verwurzelt. Dies ließ auch der Darmstädter Pianist Uli Partheil beim Auftritt seines Trios "Playtime" im Heidelberger DAI (einer Jazzclub-Veranstaltung) spüren: "Trinkle Tinkle - a Tribute to Thelonious Monk" überschrieb er das aktuelle Programm.
Aus den ursprünglich verquer daherkommenden Monk-Kompositionen sind heutzutage häufig glattgebügelte Standards geworden und oft genug wurde dem Original der Zahn gezogen. Uli Partheil denkt nicht daran und spielte einen Monk, dem die Lust an den Brechungen und Unwägbarkeiten längst nicht ausgetrieben ist. All die fiesen Sekundreibungen, kantigen Klänge und kauzigen rhythmischen oder harmonischen Wendungen, wie sie Monk in seinem Spiel pflegte, feierten hier ihr vitales Eigenleben weiter. Um authentisches Aufgreifen von Monks Stil geht es Partheil keineswegs. Die Historie überträgt er spannend in die Moderne und überzieht das Spiel mit eigenen Ideen. Monk erhält mächtigen Swing und lernt ordentlich tanzen. Vitale Latin-Rhythmen liegen Partheil von Haus aus im Blut und diese machen sich auch hier ausnehmend gut, inmitten des Sperrigen. Die Elastizität des Rhythmus und Tempos wurde lustvoll ausgereizt, so in der kauzigen Humoreske "Trinkle Tinkle".
Hellwach, reaktionsstark und frisch war dieses Triospiel und daran hatten Udo Brenner am Bass und Holger Nesweda am Schlagzeug gleichfalls ihren starken Anteil. Wie der Schlagzeuger die komplexen Rhythmen und verwegene, pausendurchsetzte Sprachmelodie von "Evidence" durchgehend auf sein Set übertrug, war genauso klasse wie die intrikate, gleichberechtigte Trioarbeit, die er sonst einfließen ließ. Federleicht hingeblätterte Virtuosität, lakonisches Stride-Spiel und rhythmische Gelenkigkeit des Pianisten - dadurch erhielt Monk all die Abenteuerlust wieder, die seine Musik so einzigartig macht.