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Intime Zwiegespräche
Arthur Blythe und Bob Stewart beim Heidelberger Jazzclub im DAI (am Dienstag, 22.11.2005)
Von Rainer Köhl

Eine Karawane geht langsam, wie.man weiß. Bisweilen zieht selbst Duke Ellingtons sonst so flottes "Caravan" im langsamen Kamelternpo einher, wie nun beim Heidelberger Jazzclub im DAI, als Arthur Blythe und Bob Stewart mit einer sehr gedehnten Version dieser Nummer in den Großen Saal schritten. Vorne an der Bühne angelangt, war der Titel zu Ende. Und nach der Begrüßung machte sich "Caravan" noch mal auf den Weg, diesmal eine halbe Kamellänge rascher.
Schnelligkeit ist von dem großen Arthur Blythe nicht mehr zu erwarten. Der Bebop sprudelt ihm nun nicht mehr rasant aus dem Horn,nseit er in seinen Bewegungen von einer Krankheit gehandicapt ist. Der glühende Ton und beseelte Ausdruck aber ist unverändert der alte. So ließ es Blythe mit seinem langjährigen Duopartner an der Tuba diesmal bedächtig angehen. Abgeklärt und besinnlich; dabei einrnal mehr in meisterlicher Größe.
Im Blues hat Blythe seine Wurzeln und diese Spielart war an diesem Abend in allen Varianten angesagt: bald schwül und langsam, bald in der vitalen Form des Rhythm&Blue's. Vibrierend leise, dunkel und in seiner ursprünglichen Würze zelebrierte der Altsaxophonist den Blues. Sein Ton singt immer noch stark bis in die hohen Lagen hinauf, vibriert vor bluesigem und hymnischem Ausdruck. Sparsam und fragmentarisch setzte Blythe seine Phrasen in den Latin- und Funkinspirierten Nummern, melodisch Avanciertes oder Traditionelles.
Als Rhythmus- und Melodieinstrument gleichzeitig brachte Stewart seine Basstuba zum Tönen, als er seine funky groovenden Riffs intonierte. Stark kontrapunktisch war dieses Spiel der beiden Bläser: intensiv ineinander verschlungene Linien, lakonisch und kleinteilig ineinander verhakte Phrasen, die dem Rhythm&Blues, dem Funk und Latin starke Impulskraft verliehen. Im Leisen, Sparsamen fand das Duo immer wieder große beredte Expression, große Gospel-Hymnik ausschwingen lassenend. Im schweflig-nachtdunklen, gesanglichen und stark vibrierenden Ton von Blythe, im swingenden, brodelnden Bassfundament von Stewart. Und daraus entstanden intime Zwiegespräche der meisterlichen Art.