Soweit nicht anders angegeben, stammen die Artikel aus der RNZ (Rhein-Neckar Zeitung)
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Treya Quartett

Poesie und Passion
Biondini und Girotto im DAI-Jazzclub (am Sonntag, 19.03.2006)
Von Rainer Köhl

Als hervorragende Instrumentalisten in den Formationen des Oud-Spielers Rabih Abou-Khalil oder des Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons konnte man die beiden schon erleben, nun haben sie sich zusammengetan, um sich im Duo auf die Musik ihrer Heimatländer zu besinnen. Da der Saxophonist und Klarinettist Javier Girotto aus Argentinien stammt und der Akkordeonist Luciano Biondini aus Italien, gibt es in ihren Programm Einflüsse aus beiden Ländern. Beim Auftritt im Heidelberger DAI (auf Einladung des Jazzclubs) bot das Duo ein musikalisches Erlebnis ganz eigener Art. Aus Argentinien kommt bekanntlich der Tango, aus Italien die Tarantella und leichtlebige Volkslieder, die die Sonne preisen. Die Melancholie, aber auch die Leidenschaft argentinischer Musik traf auf die mediterrane Leichtigkeit des Seins. Angereichert wurde dies mit eigenen Ideen, persönlichen Emotionen und Virtuosität.
Alles fließt ununterbrochen in diesen Klängen; Melodien und Gesten befinden sich in beständiger Transformation. Schwermut schwenkt ein in Heiterkeit, Tiefsinn in Ausgelassenheit, Erdenschweres wird im Handumdrehen federleicht. Fliegende, flirrende, schwebende und reißende Melodien ließ Biondini auf seinem Knopfakkordeon tanzen, Girotto lagerte hymnisch expressive Melodien auf dem Sopransaxophon darüber. Ein ebenso phantasievolles wie perfekt gestaltetes Zusammenspiel, mit ineinander verflochtenen Dialogen oder gemeinsam fortreißenden Klangströmen. Bisweilen entstand still träumende Poesie daraus, zärtlich schwebend, dann wieder wurden die Klänge aufgewölbt zu vibrierenden, berstenden Intensitäten.
Den großen Demonstrationen in Argentinien 2001 war eine überaus feurige Tangokomposition gewidmet: Glattweg mitgerissen wurde man dabei von all der Energie, dem wirbelndem Strom der Töne, die einem in einen Strudel der Emotionen und der Virtuosität hineinzogen. Ein gegenseitiges Umkreisen, Umflattern, in wunderbar feingesponnener Poesie und starker Passion.