Soweit nicht anders angegeben, stammen die Artikel aus der RNZ (Rhein-Neckar Zeitung)
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Wo samma Osama?
"Trio in Treptow" beim Heidelberger Jazzclub im DAI
Von Rainer Köhl

"Zwischen Eric Dolphy und Karl Valentin" überschrieb eine SWR-Sendung ein Feature über den Bassklarinettisten Rudi Mahall (zu hören am 15.11., 23.30 Uhr in SWR2). In der Tat ist das Wesen des Berliner Musikers genau zwischen diesen beiden Künstlern auszumachen. In seiner schlaksigen Physiognomie und dem kauzig-trockenen Humor könnte er ein Doppelgänger des bayerischen Humoristen sein. Und seit Eric Dolphys Tod hat wohl kaum einer mehr die Bassklarinette mit dieser bedingungslosen Intensität gespielt wie Mahall. Mit der Pianistin Aki Takase pflegt Mahall lange schon ein namhaftes Duo. Dem Triospiel widmet er sich in anderer Kombination: zum einen mit "Der rote Bereich", zum anderen gemeinsam mit dem Bassisten Jürgen Wuchner und dem Schlagzeuger Uli Jenneßen. "Trio in Treptow" nennt sich dieses und war nun erstmals beim Heidelberger Jazzclub im DAI zu hören. Für Jenneßen sprang der amerikanische Drummer Tom Nicholas ein und der hatte einzig eine Conga-Trommel mitgebracht.
Sparsame, lakonische Klangkunst war somit angesagt - eben darin sind die drei ohnehin Meister. Mit einer Nummer von Ornette Coleman ging's los, mächtig swingend, auch wenn sich das Spiel noch so atonal verzweigte. Herb und kantig ist Mahalls Ton, lakonisch und zugleich flammend. Dichte Expression und Spielwitz bringt er in beste Balance. Hohes Energiepotential bläst er immerzu aus der Bassklarinette, ein Spiel so ganz aus Leib und Seele. Ruhevolles raut Mahall klanglich auf, würzt seine Soli mit Mehrfachklängen. So in Wuchners bluesig verwinkelter Komposition "Wo samma Osama?". Ein richtiger Blues folgte hinterher: langsam, schwül und klagend. In dunkel brütende, nachtschattige Bereiche erging sich Jürgen Wuchner am Kontrabass mit knorrigem, sattem Ton, zupfte wuchtige, arpeggierte Akkorde, über die Mahall eine elegische, tiefschwarze Klage erhob. Das klang rau und hochgespannt, so als wollte er dem Blues die Eingeweide herausblasen. Doch die drei sind keine Kinder von Traurigkeit und setzten mit einem aufgekratzten Calpypso nach. Tanzbar und frohgelaunt, aber gänzlich unverkitscht. Nach Herzenslust ließ Mahall sein Instrument schnattern und quietschen. Wobei seine Variationskunst, sein permanentes Jonglieren mit Motiven die Tanzlaune mit ernster Recherche verband. Der Calypso war auch für Tom Nicholas, der bislang dezent und sparsam begleitete, die Gelegenheit zu zeigen, was an Klangfarbe und Rhythmusmöglichkeiten in der Conga steckt.
Eine kraftvolle Bop-Nummer war Wuchners "Shortcut", mit lakonisch und zugleich heißblütig herausgeblasener Hymnik, starkem Drive und kantigem Gestus. Grobkörniges Triospiel der Extraklasse.