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Die Avantgarde lernt das Tanzen
Seine Kompositionen tragen keine Titel, sondern Nummern - zwischen "einunddreißig" und "neunundsiebzig" bewegen sich die Stücke, die der Vibraphonist Christopher Dell während des Auftritts seines Trios D.R.A. beim Heidelberger Jazzclub im DAI vorstellte. Widmungsträger für die Zahlenspiele hatte der Frankfurter Jazzmusiker gleichfalls jeweils parat: das konnten große Jazzmusiker ebenso sein wie Städte. So wie die Titel und Untertitel der Kompositionen, eben so ist auch deren klingender Inhalt: zwischen kühler Abstraktion und knapp aufblitzender Allusion an Ideen oder historische Stile schillerten diese unentwegt. Mit seinen vier Schlägeln klöppelte Dell Harmonien auf das Vibraphon, wie diese in keinem Lehrbuch stehen. Bei Stockhausen und Rihm hat er Meisterkurse besucht, in seiner Musik lässt er die Avantgarde virtuos das Tanzen und Swingen. Atonale Strukturen sind es meistens, die Dell auf Reisen schickte, so etwa in "Zweiundvierzig" mit dem Untertitel "Köln-Brüssel". Hochvirtuos durcheilt er seine melodisch und harmonisch komplexen Läufe, und nie weiß man so genau wo der Bebop anfängt und die Neue Musik aufhört. Komponiertes und Improvisiertes durchdringen sich unablässig, Grenzen sind dabei kaum erkennbar. Strenges und Anarchisches tönen hier im fliegenden Wechsel. Streng ausgetüftelte Strukturen rasen hochtourig dahin und bisweilen werden diese von ironisch aufgebrochenen Melodien oder Banalem übertüncht. Eine Musik, die zu gleichen Teilen intelligent und lustvoll, ebenso geistreich wie hintersinnig daherkommt. |